Wohnungsbau
​​​​​Die Wohnungsfrage wird heute zunehmend auf Zahlen, Normen und Prozesse des Immobilienmarktes reduziert und marginalisiert und entrückt sich damit zusehends der kulturellen Praxis von Architektur und Städtebau. In Ermangelung alternativer Wohnungsbaukonzepte wird es für große Teile hochverdichteter Stadtgesellschaften immer schwieriger Zugang zu selbstbestimmtem und bezahlbarem Wohnraum zu erlangen. 
Architektur für das Wohnen entwickelt sich heute innerhalb eines engen Korsetts aus formalen, juristischen, ökonomischen, bautechnischen und gesellschaftlichen Konventionen. Aktuell führen pandemiebedingte gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu neuen Bedürfnissen in Bezug auf das Wohnen in der Stadt. Die Vielfalt der Lebensentwürfe in unterschiedlichen Lebensphasen, die Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse und der Trend zur Individualisierung erfordern, dass städtischer Wohnungsbau anpassungsfähiger wird und Alternativen zu standardisierten Wohngebäuden und deren Grundrissen anbietet.
Das studentische Entwurfsprojekt Julius im Hamburger Schanzenviertel sucht nach kräftigen, plausiblen und unerwarteten Ideen, wie in dieser spezifischen Gemengelage neuer Wohnraum und andere inspirierende Dinge entstehen können. Aus einer eigenen Haltung heraus sind die Konzepte strukturell, formal, haptisch, ästhetisch und nicht zuletzt vom Gebrauch her architektonisch zu entwickeln. 
Gastkritik: Eike Harant I Monique Jüttner